Korrespondent Peter Schöndorfer
April 2009 – Wenn Sie einer Bank Geld wegnehmen, haben Sie ein gewaltiges strafrechtliches, gleich darauf auch berufliches, familiäres und soziales Problem. So sagt der Paragraph 128 Abs. 2 des Strafgesetzbuches: „Wer eine Sache stiehlt, deren Wert 40.000 Euro übersteigt, ist mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen.“
Wenn die Bank Ihnen Geld wegnimmt, schaut die Sache anders aus: Der Vorstand betont öffentlich, dass
- er Ihr Geld gar nicht gebraucht hätte, weil die Bank in den vergangenen Jahren ohnehin Milliarden verdient habe;
- man aber trotzdem die Steuerzahlermilliarden einsacken werde, obwohl man die ebenfalls gar nicht brauchen würde; nur aus Gründen der Chancengleichheit, sozusagen;
- das Management gesetzlich dazu verpflichtet sei, sich selbst für die tolle Leistung, die Bank und gleich die ganze Volkswirtschaft dazu an den Rand des Abgrunds manövriert zu haben, einen dreistelligen Millionen-Bonus zu gewähren.

Das Bild Die sieben Todsünden und Die vier letzten Dinge sind Motive der von Hieronymus Bosch (1450–1516) geschaffenen Oberfläche einer Tischplatte. Sie wird im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt. Foto: Wikipedia
Heißer Titelanwärter in der neu geschaffenen Europameisterschaft der Finanztriathleten (in den Disziplinen Unverschämtheit, verlorene Kundengelder und Einkommen) ist der ehemalige Chef der Hypo Real Estate, einer Münchner Immobilienbank, die vom deutschen Steuerzahler und einem Bankenkonsortium mit 102 Mrd. Euro (zur Verdeutlichung: etwa 1,4 Billionen Schilling, also ATS 1.400.000.000.000,-) künstlich am Leben gehalten wurde. Jetzt klagte der im Dezember 2008 gekündigte Manager seine krisengeschüttelte Bank: Er verlangt die Weitergeltung seines Vorstandsvertrages bis zum regulären Vertragsablauf im September 2013 und die Aufrechterhaltung seiner Pensionsansprüche von jährlich 560.000 Euro, in Summe mehr als vier Mio. Euro.
Angesichts solcher Charaktere fällt es schwer, andere Länder nicht um die Prügelstrafe zu beneiden.
Die Gier – lat. avaritia, eine der sieben Wurzelsünden – ist aber kein deutsches Phänomen, sie macht auch vor den biederen Eidgenossen nicht Halt: Dort braucht die vom Platzen der US-Immoblase schwer gezeichnete UBS 65 Mrd. Franken Überlebenshilfe des Staates, streicht dafür mindestens 5000 Arbeitsplätze und verordnet sich voller Stolz saftige Bonuszahlungen. Das hat die in der Schweiz geschätzte Tradition: Schon im vergangenen Jahr wurden zwölf Mrd. Franken (etwa acht Mrd. Euro) an Erfolgsprämien ausgezahlt – trotz Konzernverlusts. Die Dreistigkeit der Nehmer findet aber im Epizentrum der globalen Krise, im Land der offenbar wirklich völlig unbegrenzten Möglichkeiten, im Wilden Westen des Kapitalismus ihren unrühmlichen Höhepunkt. In den USA verlor sogar der neue Weltwunderheiler aus dem Weißen Haus kurz die Contenance und verdammte den „Frevel“, als er von den Nehmerqualitäten der Manager des weltgrößten und weltpleitesten Versicherers AIG erfuhr: 170 Mrd. Dollar – weit mehr als einen Jahresumsatz – hat der Staat seit September in den Finanzkonzern gepumpt. Dafür genehmigte sich das Management jetzt 165 Mio. Dollar Erfolgsprämien.
Da wünscht man sich Clint Eastwood als Marshal Cooper und einen „Bonus“ auf die gute alte Westernart anno 1968: Hang ‘Em High – Hängt sie alle höher.
Nun ja, Sachverhalte können manchmal wirklich einfach sein. Herzlichen Dank für eure Erklärungen 😉