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Win, im September 2007. Die ösische Politik ist endgültig auf dem Niveau der Fußball-Nationalmannschaft angelangt: In beiden Materien übertreffen Selbsteinschätzung und Einkommensniveau die gebotene Leistung um ein Vielfaches.So haben beispielsweise die ösischen Konservativen eine dralle Quereinsteigerin in die Regierung berufen, die immer mehr Gefahr läuft, zur politischen Ulknudel zu werden. Als Gesundheitsministerin erstaunte sie durch öffentliche Bekenntnisse zu Fleischeslust und Nikotingenuss, als Familienministerin erklärte sie Kinder in Nobelrestaurants zu personae non gratae, und ihre im Kern sittenstrenge Partei strapazierte sie durch die kürzlich erfolgte zweite Scheidung und das zeitgleiche Outing der nächsten Lebensabschnittspartnerschaft – mit einem (noch) verheirateten Mann.

Live Act en masse. Ein pummeliger Laufsteg-Auftritt in buntem Aufzug bei einem Schwulen- und Lesbenfest machte die Mittvierzigerin endgültig zur politischen Ungelenkwaffe der Bundesregierung. Nun will sie ein Buch über ihr Suchtbild Schweinsbraten herausbringen und hat dafür Prominente eingeladen, ihr liebstes Rezept zu übermitteln. Um diesem Ansinnen neben persönlichem auch öffentliches Gewicht zu verleihen, wurde das Schreiben laut Medienberichten auf ministeriellem Briefpapier mit den Insignien der Republik (und auf Kosten des Steuerzahlers) verschickt.

Alles eitel, nicht Wonne. Für viel mehr Aufregung sorgt derzeit ein Brief des ehemaligen Vizekanzlers der Orangenrepublik, in dem der Ex-Politiker auf Resten seines Ministerpapiers europäische Staatsmänner um Aufträge für sein jüngst gegründetes Beratungsunternehmen anbettelt. Nachdem der schnauzbärtige Vorösier mit der gutturalen Aussprache seines Bergvolks schon mehrfach politisch verhaltensauffällig geworden ist, löst seine plumpe Anmache in eigener Sache sogar in der – bei politischen Hygienefragen eher unempfindlichen – Jungdemokratie Ösien kräftiges Befremden und polizeiliche Ermittlungen aus. Dem freizügigen Beispiel der ösischen Bundespolitik bei Verwendung höchster Staatssymbole folgend, dürfen im Zuge der bevorstehenden Austragung der Fußball-Europameisterschaft wohl auch Würstelbuden und Freudenhäuser mit dem Staatswappen verziert werden: Immerhin sollen auch hier ösische Fachkräfte Ausländern ihre Dienste unter den Fittichen des Bundesadlers antragen können.

Ein „Gscheada“? Angesichts der fröhlichen Politik der Mitbewerber haben nun sogar die Sozialisten die Kunst des Politainment für sich entdeckt: So ist der amtierende Sozialminister bisher vorwiegend durch seine medial intensiv dokumentierten Frisörbesuche in den Blickpunkt einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Unklar ist den Sprachforschern, ob daher der ösische Ausdruck „Gescherter“ (sprich: Gscheada, für ungebildet, unkultiviert) kommt. Ein unvergessener Höhepunkt des Politainment bleibt aber der Auftritt des damaligen sozialistischen Spitzenkandidaten Alf Gusenko, der sich übergewichtig und untertrainiert in knallroten, hautengen Radlerhosen wahlwerbend durch die ösische Bergwelt schwitzte. Schon damals war es sein größter Wunsch, Kanzler zu werden, und sonst nichts.Nun ist er Kanzler. Und sonst nichts. 

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